Hast du dir zum Jahresbeginn gute Vorsätze gesetzt? Hand aufs Herz: Wie konsequent bist du noch dabei? Übergänge wie der Jahreswechsel sind fast schon synonym mit guten Vorsätzen. Gleichzeitig fallen sie oft in eine Zeit, in der der Alltag ausser Kraft gesetzt ist. Ferien, weniger Termine, mehr Zeit für sich. Sobald der Arbeitsalltag wieder einzieht, geraten viele Vorsätze ins Wanken.
Das heisst nicht, dass Vorsätze grundsätzlich zum Scheitern verurteilt sind. Im Gegenteil. Es lohnt sich, sie dort anzusiedeln, wo der Alltag tatsächlich stattfindet. Und das ist für viele Menschen zu einem grossen Teil die Arbeit. Der Arbeitsalltag folgt meist wiederkehrenden Mustern und genau das macht ihn geeignet, um neue Gewohnheiten daran zu knüpfen.
In diesem Beitrag geht es darum, warum Vorsätze oft nicht durchgehalten werden, wie man sie realistischer formuliert.
Gute Vorsätze scheitern selten an mangelndem Willen. Häufig liegt es an der Art, wie sie formuliert sind oder daran, dass sie nicht zum Alltag passen.
Vorsätze wie «gesünder leben» oder «produktiver arbeiten» sind so offen formuliert, dass sie kaum Orientierung geben. Es bleibt unklar, was konkret anders gemacht werden soll. Dadurch fällt es leicht, das eigene Verhalten so auszulegen, dass es sich richtig anfühlt, ohne dass sich tatsächlich etwas ändert.
Wer sich nur einmal im Jahr Vorsätze setzt und dann gleich mehrere Bereiche gleichzeitig angehen will, nimmt sich oft zu viel vor. Die einzelnen Vorhaben konkurrieren miteinander um Aufmerksamkeit und Energie. Statt dass sich eine neue Gewohnheit etabliert, scheitern mehrere Vorsätze parallel.
Bleiben sichtbare Veränderungen aus, entsteht Frust. Der Vorsatz wird infrage gestellt, die Motivation verschwindet. Gerade bei Veränderungen, die langfristig wirken sollen, ist das ein häufiger Stolperstein.
Ein einzelner Ausrutscher reicht oft aus, um den gesamten Vorsatz aufzugeben. Das Bild vom eigenen Versagen setzt ein und überlagert die bisherigen Fortschritte. Statt weiterzumachen, wird der Vorsatz komplett verworfen.
Vorsätze, die für einen Ausnahmezustand formuliert sind, halten dem Arbeitsalltag selten stand. Sobald der Alltag wieder greift, fallen viele in alte Verhaltensmuster zurück. Eingespielte Abläufe sind bequem und funktionieren automatisch. Neue Verhaltensweisen brauchen Zeit, Wiederholung und bewusste Entscheidung.
Hilfreich ist eine klare Vorstellung davon, was erreicht werden soll, welche konkreten Massnahmen dazu beitragen und woran sich Fortschritt einordnen lässt.
Beispiel:
Ich möchte mehr Wasser trinken. Konkret heisst das, dass ich während der Arbeitszeit ausschliesslich Wasser trinke und am Ende des Tages mindestens zwei Liter erreicht habe.
Ein Vorsatz wird greifbarer, wenn klar ist, wann oder in welchem Kontext er umgesetzt werden soll.
Beispiel:
Zu jeder Tasse Kaffee trinke ich einen halben Liter Wasser.
Es hilft, sich zu überlegen, wie genau der Vorsatz praktisch umgesetzt wird.
Beispiel:
Ich trinke Leitungswasser oder nehme mir morgens eine Flasche Mineralwasser mit ins Büro.
Wer sich nur etwas verbietet, ohne eine Alternative festzulegen, macht es sich unnötig schwer.
Beispiel:
Ich ersetze Eistee konsequent durch Wasser.
Neue Gewohnheiten lassen sich leichter etablieren, wenn sie an bestehende Abläufe gekoppelt werden.
Beispiel:
Zu jeder Tasse Kaffee trinke ich einen halben Liter Wasser.
Ein Vorsatz sollte so gewählt sein, dass er im Alltag tatsächlich Platz hat.
Beispiel:
Ich fokussiere mich zunächst nur darauf, während der Arbeitszeit mehr Wasser zu trinken, auch wenn ich auf Reisen ebenfalls zu wenig Wasser trinke.
Ein einzelner Aussetzer ist kein Grund, den Vorsatz komplett zu verwerfen.
Beispiel:
Wenn ich an einem Tag kaum Wasser getrunken habe, mache ich am nächsten Tag normal weiter.
Vorsätze sind stabiler, wenn sie nicht von anderen oder von äusseren Umständen abhängen.
Beispiel:
Ich sorge selbst dafür, dass jederzeit Wasser verfügbar ist.
Der Arbeitsalltag besteht in vielen Berufen aus wiederkehrenden Abläufen, festen Zeitfenstern und ähnlichen Situationen von Tag zu Tag. Genau diese Regelmässigkeit macht ihn geeignet, um neue Vorsätze daran auszurichten. Statt Gewohnheiten gegen den Alltag durchzusetzen, lassen sie sich an bestehende Muster anlehnen.
Im Folgenden werden verschiedene Bereiche des Arbeitsalltags beleuchtet, in denen sich Vorsätze anbieten können. Lass dich von dieser Sammlung inspirieren. Die Liste ist nicht als Empfehlung oder Pflichtenheft zu verstehen. Nimm auf, was für dich passt, lass anderes weg und formuliere deine eigenen Vorsätze.
Der Arbeitsalltag findet bei vielen überwiegend sitzend statt. Termine, Bildschirmarbeit und fixe Zeitfenster sorgen dafür, dass Bewegung, Pausen und grundlegende körperliche Bedürfnisse leicht in den Hintergrund geraten.
Bewegung lässt sich in den Arbeitsalltag integrieren, ohne zusätzliche Zeitfenster zu schaffen. Das kann heissen, den Arbeitsweg mit dem Velo zurückzulegen, eine Haltestelle früher auszusteigen oder bewusst die Treppe statt den Lift zu nehmen.
Oft fällt erst spät auf, wie lange ohne Unterbrechung gesessen wird. Regelmässiges Aufstehen, etwa einmal pro Stunde, unabhängig davon, ob gerade eine natürliche Pause entsteht, kann helfen. Dazu gehört auch, den Arbeitsplatz kurz zu verlassen oder eine kleine Runde ausserhalb zu machen.
Nicht alle Pausen sind sozial gleich akzeptiert. Während Rauchpausen selbstverständlich sind, werden andere Pausen oft ausgelassen. Sich bewusst auch eine Gesundheitspause zu erlauben, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen, kann hier ansetzen.
Der Büroalltag beeinflusst stark, was gegessen und konsumiert wird. Bewusste Entscheidungen darüber, welche Kantinenangebote genutzt werden, was selbst mitgenommen wird und in welchen Situationen man sich bei Snacks, Kaffee oder Süssigkeiten nicht automatisch an Gruppengewohnheiten orientiert, schaffen Handlungsspielraum.
Schlaf ist zentral für Energie und Konzentration. Es lohnt sich, den Zusammenhang zwischen Arbeit und Schlafqualität genauer zu betrachten. Dazu gehört zu reflektieren, ob man beim Einschlafen gedanklich noch bei Arbeitsthemen ist, ob tagsüber zu wenig Bewegung stattgefunden hat oder ob der eigene Chronotyp zur Arbeitsumgebung passt.
Viele Arbeitstage sind geprägt von parallelen Aufgaben, Unterbrechungen und hohen Erwartungen.
Bewusstes Priorisieren hilft, Klarheit zu schaffen. Dazu gehört zu entscheiden, welche Aufgaben erledigt werden müssen, welche warten können und welche delegiert werden sollten.
Aufgaben lassen sich bewusst timeboxen. Der Anspruch richtet sich dann nach der verfügbaren Zeit und nicht nach einem theoretisch perfekten Ergebnis.
Erledigte Arbeit sichtbar zu machen hilft, den Blick nicht ausschliesslich auf offene Aufgaben zu richten.
Aktiv festzulegen, welche Themen aktuell keine Priorität haben, hilft dabei, diesen Bereichen bewusst weniger Zeit und Energie zu schenken.
Reaktionen lassen sich zeitlich bündeln. Dazu gehören gezielt blockierte Fokuszeiten, in denen das Telefon stummgeschaltet und das Mailprogramm geschlossen bleibt.
Statt Energie in Frustration zu investieren, kann der Fokus bewusst auf die eigene Entscheidungs- und Wirkungssphäre gelegt werden.
Meetings sind geteilte Arbeitszeit.
Klare Struktur und die Bereitschaft, Themen zu vertagen, helfen hier. Wenn es nicht um eine harte Deadline oder eine Krisensituation geht, kann ein Thema auch zu einem späteren Zeitpunkt weiterbesprochen werden, damit die Teilnehmenden pünktlich zu ihren nächsten Aufgaben oder Meetings gehen können.
Pufferzeiten, Meetings vor der vollen Stunde und früh kommunizierte Endzeiten schaffen Planbarkeit.
Konsequentes Timeboxing hilft, Begrenzungen ernst zu nehmen, auch wenn nicht alle Themen abschliessend behandelt wurden.
Ablenkungen während Meetings bewusst auszuschalten, das Handy nicht mitzunehmen oder das Mailprogramm zu schliessen, unterstützt die Präsenz aller Beteiligten.
Den Impuls zur Reaktion zu unterbrechen, sich bei Bedarf eine kurze Notiz zu machen und die Aufmerksamkeit wieder vollständig auf das Gegenüber zu richten, verändert Gesprächsdynamiken spürbar.
Gesprächsbeiträge ausreden zu lassen schafft Raum. Ggf. kann ein Handzeichen oder eine kurze Rückfrage helfen, bevor man den eigenen Input einbringt.
Unklarheiten zeitnah anzusprechen, solange sie noch konkret benennbar sind, verhindert spätere Missverständnisse.
Verantwortung bewusster zu teilen oder Zuständigkeiten klarer zu regeln verhindert, dass einzelne stillschweigend alles auffangen.
Ein klarer Umgang mit gemeinsam genutzten Bereichen, etwa durch Anschreiben eigener Sachen oder das bewusste Übernehmen von Verantwortung für das, was man nutzt, kann Spannungen reduzieren.
Aufgaben bewusster abzugeben entlastet, auch wenn es kurzfristig schneller wäre, sie selbst zu erledigen.
Verantwortung vollständig zu übergeben, inklusive Entscheidungsspielraum, verhindert Micromanagement.
Erwartungen explizit zu formulieren schafft Klarheit.
Lernzeit bewusst einzuplanen und als legitimen Teil der Arbeit zu betrachten verhindert, dass Entwicklung immer hintenansteht.
Berufliche Ziele regelmässig zu reflektieren hilft, sie greifbarer zu machen.
Sich mit anderen zusammenzutun, etwa in einem Buddy-System, erhöht die Verbindlichkeit.
Einen klaren Feierabend zu definieren verhindert, dass Arbeit automatisch verlängert wird.
Offene Aufgaben bewusst zu parken entlastet mental.
Arbeit bewusst an einen Ort zu knüpfen hilft bei der Abgrenzung. Wer im Büro arbeitet, lässt Arbeitsgeräte dort. Im Home Office hilft es, Geräte zum Feierabend sichtbar wegzuräumen oder auszuschalten.
Erreichbarkeit auf echte Notfälle zu begrenzen und Pushnachrichten oder Arbeitspostfächer in der Freizeit auszuschalten, schafft Abstand.
Gute Vorsätze fürs Arbeitsleben müssen weder umfassend noch endgültig sein. Entscheidend ist, wahrzunehmen, wo im eigenen Arbeitsalltag Reibung entsteht oder Energie verloren geht, und daraus gezielte Vorsätze abzuleiten, die im Alltag umsetzbar sind.
Viele der angesprochenen Situationen betreffen Verhaltensweisen, bei denen Frustration häufig beim Gegenüber entsteht. Auch wenn man sich wünscht, dass sich andere anders verhalten, liegt der eigene Einfluss beim eigenen Handeln. Mit dem eigenen Verhalten vorzuleben, was man sich von anderen wünscht, kann helfen, bestehende Muster nicht weiterzuführen.
Manche Vorsätze lassen sich alleine umsetzen, andere betreffen das Zusammenspiel im Team. Wenn sich bestimmte Themen immer wieder zeigen, kann es sinnvoll sein, bewusst Raum für Austausch ausserhalb des Arbeitsalltags zu schaffen. Gemeinsame Erlebnisse bieten dafür einen neutralen Rahmen, in dem Gespräche möglich werden, für die im Alltag oft kein Platz ist. Inspiration dafür findest du auf Mein Ausflug.